Zum 3. Münchener Labortreffen in München hatte die DGAB einen besonderen Gast zu Besuch. Aschwin de Wolf ist aktiv in der Kryonik-Forschung tätig und damit, leider, noch eher eine Seltenheit. Dies zu ändern ist natürlich eine Bestrebung, die nicht nur die DGAB so gut wie möglich verfolgen möchte. Das Labortreffen am Wochenende des 14.–15. Septembers bot daher eine gute Möglichkeit, sowohl hilfreiche Ratschläge für die Planung und den Aufbau eines Deutschen Einsatzteams zu bekommen, als auch aus erster Hand von den Forschungsaktivitäten und aktuellen Erkenntnissen aus den USA zu erfahren.

Zunächst konnte Aschwin in mehreren Gesprächsrunden aus erster Hand von Kryonik-Fällen in den USA berichten und wertvolle Hinweise geben, worauf es in verschiedenen Situationen bei der Erstversorgung ankommt und welche Maßnamen jeweils die Prioritäten sein sollten. Außerdem konnten Aspekte zum benötigten Material und zur idealen Stärke eines möglichen landesweit operierenden Kryonik-Einsatzteams diskutiert werden. Diese Erfahrungen sollen in den mittelfristig geplanten Aufbau eines deutschen Teams mit Unterstützung der DGAB einfließen. Das Ziel ist es dabei, unter den jeweiligen Umständen des Kryonikpatienten die Gewebeschäden, insbesondere des Gehirns, bis zur Perfusion und endgültigen Lagerung so gering wie möglich zu halten und damit die Chancen auf Reanimation in der Zukunft zu maximieren.

Weiterhin stand ein gemeinsamer Laborbesuch an, bei dem insbesondere der neu aufgebaute Perfusionskreislauf und der angeschaffte Thumper diskutiert werden konnten. Der Perfusionskreislauf dient dabei zunächst als Testaufbau zur Erprobung der Funktionsweise und zur Optimierung der Flussraten in kommenden Versuchen. Auch hier konnte Aschwin praktische Hinweise geben.

Schließlich konnte Aschwin noch interessante Einblicke in die aktuelle Kryonik-Forschung geben, die sich in letzter Zeit hauptsächlich auf die Gewebe- und Zellebene erstreckt hat. Diese Erkenntnisse fließen dann in die Empfehlungen zur Patientenversorgung ein, um klare wissenschaftliche Grundlagen für eine bestmögliche Versorgung zu legen. Aktuell werden aber auch wieder zunehmend Versuche mit lebenden Kleinorganismen durchgeführt, um das Verhalten eines komplexen Gesamtsystems unter kryonischen Bedingungen zu untersuchen. Auf Details kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Wer Interesse daran hat, sei angeregt, im Oktober 2014 am 2. Internationalen Symposium der DGAB teilzunehmen, für das wir Aschwin de Wolf aller Voraussicht nach als Sprecher gewinnen werden.

Autor: Frank Seifert